BOZEN/MAILAND. Während der Countdown für die Olympischen Winterspiele Mailand Cortina 2026 unaufhaltsam heruntertickt, steht eine junge Frau aus den Südtiroler Dolomiten im Rampenlicht, deren Aufgabe ebenso ehrenvoll wie anspruchsvoll ist: Vivien Insam (28) aus Wolkenstein begleitet als eine der „Hüterinnen der Olympischen Flamme“ den nationalen Fackellauf.
Armin Zöggeler hat sie nach der Entzündung in Olympia als einer der ersten getragen. Doch keine andere Südtiroler Athletin begleitet die Olympische Flamme so lange, wie Vivien Insam. Die ehemalige Skirennläuferin aus Gröden, die Teil der Sportgruppe der Polizei ist, wurde für diese besondere Mission ausgewählt. Das Organisationskomitee von Mailand Cortina 2026 hat die Polizei mit dem Schutz der Olympischen Fackel beauftragt. Insgesamt zwölf Mitglieder der Sportgruppe – sechs Frauen und sechs Männer – sichern das aktuell wohl bekannteste Feuer auf seiner Reise durch Italien.
Vivien Insams Einsatz ist in zwei Abschnitte unterteilt: Sie begleitet die Flamme seit dem 5. bis zum 21. Dezember, bevor sie für 15 Tage nach Hause zurückkehrt. Ihr zweiter Einsatz beginnt am 6. Januar und dauert bis zum 22. Januar. Außerdem wird sie den Tross auch auf den drei Südtirol-Etappen, und damit auf Skiern auf der Sellaronda, vom 27. bis zum 29. Jänner begleiten.
Die Hauptaufgabe der jungen Ladinerin ist es, die Fackelträger zu beschützen und sicherzustellen, dass niemand in die Prozession eindringt oder versucht, die Fackeln zu stehlen. “Es ist eine streng getaktete Aufgabe. Wir sind von 7 bis 23 Uhr immer aktiv und bekommen nicht viel Schlaf, aber die Genugtuung ist riesig. Das Drumherum ist einzigartig und ein schöner Lohn für die Mühen“, sagt Vivien Insam.
Emotionale Begegnungen und unvergessliche Orte
Die wohl einmalige Erfahrung sei „sehr schön“ und „emotional“, Vivien Insam tief berührt von den Menschen, die die Fackel tragen dürfen. „Es sind alle Bevölkerungsschichten dabei. Junge, alte Leute, Sportler, Persönlichkeiten, Menschen mit Beeinträchtigung – sie alle haben einen unglaublichen Stolz, dies machen zu dürfen. Es ist schön, diese Emotionen miterleben zu dürfen.“
Ihre Rolle umfasst auch den Schutz der Laternen, in denen das Feuer über Nacht oder bei Transporten bewahrt wird. „Jede Nacht hat sie jemand anderes im Zimmer. Das Feuer darf nicht erlöschen“, erklärt Vivien Insam. „Ich hatte sie vor wenigen Tagen bei der Überfahrt von Livorno nach Olbia zu bewachen. Es war auch deshalb etwas Besonderes, weil ich bisher noch nie auf einem so großen Schiff war.“
Trotz der großen körperlichen Anstrengung – an den ersten Tagen legte das Team auch bis zu 34 Kilometer zu Fuß zurück, normalerweise sind es 20 bis 25 Kilometer täglich – ist die Reise eine Bereicherung. „Wir kommen an sehr viele schöne Orte. Ich muss aber zugeben, dass ich oft nicht viel mitbekomme, weil ich sehr fokussiert sein muss”, sagt Insam. Ein Ort sei der Grödnerin jedoch besonders im Gedächtnis geblieben: Assisi. „Ich war bisher noch nie dort und es hat mir unglaublich gut gefallen. Italien ist ein unglaublich schönes Land, und das wird auf dieser Tour bestätigt.“
Auf die abschließende Frage, ob sie selbst die Fackel tragen wird, antwortet Vivien Insam: „Wahrscheinlich schon. Wir dürfen einspringen, wenn jemand ausfällt.“ Bis dahin bleibt sie die konzentrierte Hüterin der Olympischen Flamme, deren Fokus immer auf dem Fackelträger liegt, um das Licht sicher und pünktlich ans Ziel zu bringen.